Download Ergebnisse Kiezumfrage "300 Stimmen für den Reichenberger Kiez"

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Wie können selbstwirksame Nachbarschaften gelingen?

Für die Demokratie und gegen die Ohnmacht in unserem Kiez.



Ausgangspunkt


Im Herbst 2025 haben wir im Reichenberger Kiez eine Umfrage zu Engagement, Zugehörigkeit und Demokratie durchgeführt.
Dabei zeigt sich ein bemerkenswertes Spannungsfeld: Während sich eine große Mehrheit der Bewohner*innen ihrem Kiez verbunden fühlt, erleben viele zugleich Ohnmacht, fehlende Mitgestaltungsmöglichkeiten und ein Nebeneinander statt eines echten Miteinanders.
Gleichzeitig ist die Bereitschaft, sich einzubringen, hoch – scheitert jedoch häufig an strukturellen Hürden, fehlenden Zugängen und mangelnder Wirksamkeit.


Die Veröffentlichung der gesamten Umfrage folgt zur zweiten Veranstaltung am 27.5.2026 auf dem Lausitzer Platz. Sie wird auf dieser Webseite veröffentlicht.


Format und Zielsetzung


Jede Veranstaltung verbindet drei Elemente:

  • die Ergebnisse der Kiez-Umfrage
  • einen philosophischen Impuls in Form eines Thesenpapiers (zu Hannah Arendt und Friedrich Nietzsche, erarbeitet von Studierenden der Philosophie an der FU Berlin)
  • eine moderierte Podiumsdiskussion mit Gästen aus Wissenschaft und Praxis


Im Zentrum steht die Frage, wie Selbstwirksamkeit, Engagement und gelebte Demokratie im Alltag entstehen können – und welche Rolle Öffentlichkeit, gemeinsames Handeln und politische Rahmenbedingungen dabei spielen.


Die Reihe ist bewusst als Bewegung zwischen Universität und Kiez angelegt:

  • Veranstaltungen an der Universität (theoretische Reflexion)
  • Veranstaltungen am Lausitzer Platz (Diskussion mit der lokalen Öffentlichkeit aus dem Reichenberger Kiez, dem Wrangelkiez und dem Umfeld des Lausitzer Platzes, die wir gezielt über Plakatierung, Aushänge und direkte Ansprache einladen)


Format: Podiumsdiskussion mit anschließendem offenem Gespräch (ca. 30–40 Teilnehmende; im Kiez – je nach Wetterlage im öffentlichen Raum am Lausitzer Platz oder in einem nahegelegenen Innenraum)


Termine

1. Doppelveranstaltung – Hannah Arendt


12.05. | Universität | Freie Universität, Galilea, Otto-von-Simson-Straße 26, 14195 Berlin - 1.OG der Silberlaube
Beteiligung braucht Öffentlichkeit
Wie Hannah Arendts Begriff der Öffentlichkeit zivilgesellschaftliche Anwendung findet

mit Jannis Willim - Stadtplaner und Aktivist bei Kotti & Co

Jandra Böttcher -  Affect Studies FU-Berlin



27.05. | Lausitzer Platz | neben Emmaus Kirche, Lausitzer Platz 8a, 10997 Berlin | Bei Regen im Turm der Emmausskirche
Alleine ohnmächtig – gemeinsam wirksam

mit Prof. Dr. Rahel Jaeggi - Professorin für Praktische Philosophie und Sozialphilosophie, Humboldt-Universität zu Berlin

Jannis Willim - Stadtplaner und Aktivist bei Kotti & Co

Prof. Anna Bernegg - Professorin für Partizipation und Ko-Kreation in der Freiraumentwicklung, Leibniz Universität Hannover
Geschäftsführerin Forward Planung & Forschung, Berlin


2. Doppelveranstaltung – Friedrich Nietzsche


09.06. | Universität | Freie Universität, Galilea, Otto-von-Simson-Straße 26, 14195 Berlin - 1.OG der Silberlaube
Zwischen Resignation und Aufbruch
Wege zu einem neuen Engagement


16.06. | Lausitzer Platz | neben Emmaus Kirche, Lausitzer Platz 8a, 10997 Berlin | Bei Regen im Turm der Emmausskirche
Bejahen. Handeln. Kiez gestalten - Nietzsche neu gedacht

mit Dr. Gabriele Stilla-Bowman - Geisteswissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Landesnetzwerks Bürgerengagement Berlin

Prof. Dr. Silke van Dyk - Professorin für Politische Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Autorin u.a. von "Community Kapitalismus"


Theoretischer Hintergrund zur ersten Doppelveranstaltung


Die Ergebnisse unserer Umfrage im Reichenberger Kiez zeigen ein spannungsreiches Bild: Viele Menschen fühlen sich ihrem Kiez verbunden und äußern ein deutliches Bedürfnis nach Begegnung, Austausch und Solidarität in der Nachbarschaft. Zugleich erleben zahlreiche Bewohner:innen Ohnmacht gegenüber Entwicklungen im Kiez, begrenzte Einflussmöglichkeiten und ein Nebeneinander, das häufig kein wirkliches Miteinander wird. Viele Menschen haben zugleich ein klares Gespür dafür, was ihrem Kiez fehlt und was sich verändern sollte.


Es zeigt sich damit eine zentrale Herausforderung: Das Bedürfnis nach Gemeinwesen ist vorhanden, doch es fehlen häufig Orte, Gelegenheiten und gemeinsame Bezugspunkte, an denen dieses Gemeinsame praktisch entstehen kann.

Um diese Situation der Vereinzelung zu beschreiben und eine Brücke zu schlagen zu den Möglichkeiten und Voraussetzungen von Beteiligung im Kiez sowie gemeinsamem Engagement für die aktive Gestaltung des Kiezes, kann Hannah Arendts Theorie der Öffentlichkeit einen fruchtbaren Zugang eröffnen.


Für Arendt beginnt Politik dort, wo Menschen aus dem Privaten heraustreten, öffentlich erscheinen, miteinander sprechen und gemeinsam handeln. Öffentlichkeit ist für sie Grundvoraussetzung des Politischen. Der Erhalt des öffentlichen Raumes muss deshalb immer auch ein zentrales Anliegen von Politik sein.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für den Kiez die Frage, was es braucht, damit aus einem Nebeneinander ein gemeinsames Handeln werden kann.


Eine mögliche Antwort liegt in der Idee eines gemeinsamen Bezugspunkts – eines Gemeinguts, das Menschen in der Nachbarschaft versammelt und zusammenbringt. Das kann ein konkreter Ort sein, etwa ein Gemeinschaftsgarten oder eine andere Lokalität, die Begegnung ermöglicht und verbindet.

Erst auf Grundlage eines solchen Gemeinguts kann eine Öffentlichkeit entstehen, in der Menschen gemeinsame Interessen entwickeln und in politisches Handeln kommen können.

Im öffentlichen Raum konstituiert sich das gemeinsam Objektive durch die Vielzahl von Perspektiven, die sich auf denselben Gegenstand richten und dessen Wirklichkeit bestätigen.

So entsteht der Bezugsrahmen einer gemeinsamen Welt, in die Einzelne oder Viele – auch organisiert in Gruppen – sich einschalten und beteiligen können, indem sie Sichtbarkeit erlangen und ihnen Gehör geschenkt wird.

Darüber möchten wir gemeinsam mit Bewohner:innen, Wissenschaft und Praxis diskutieren.


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Eine kurze Einführung in die Veranstaltungen mit der theoretischen Grundlage der Philosophie von Friedrich Nietzsche folgt im Anschluss an die erste Doppelveranstaltung im Mai auf dieser Seite.